Ich habe Roman policier gelesen, eine Geschichte über gestohlene U in Pau, von Philibert Humm
Veröffentlicht am 14 August 2026

Schuld ist, ehrlich gesagt, France Culture. Ich bin über einen Podcast gestolpert, in dem Philibert Humm über sein Buch sprach, ich glaube, es war der Book Club, aber nicht einmal das kann ich garantieren, und am Ende der Folge war das Buch auf meinem Kindle bestellt. Gut gespielt, öffentlicher Rundfunk.
Der Ausgangspunkt ist ein völlig wahrer Fall, und ein reichlich unwahrscheinlicher noch dazu. In Pau stiehlt seit Jahren jemand die Buchstaben U von den Ladenschildern der Innenstadt. Ohne ihr U werden aus den "restaurants" (Restaurants) "restarants", aus den "boucheries" (Metzgereien) "bocheries", die Clinique de la Chaussure und Du Pareil au Même hat es auch erwischt, ein Händler erstattete schließlich Anzeige, und der Täter wurde nie gefunden. Ziemlich verrückt, oder?
Also tut Humm das, wovon viele Journalisten heimlich träumen: Er fährt hin und ermittelt vor Ort, zusammen mit seinem Kumpel Vincent, der zufällig der Schauspieler Vincent Dedienne ist. Daraus wurde Roman policier (wörtlich: Kriminalroman), vor ein paar Monaten erschienen bei den éditions des Équateurs, ein Krimi ohne Polizisten und ohne Leiche, in dem die Ermittlung oft weniger zählt als alles drumherum, die Abschweifungen, die Bistros, die abstrusen Theorien. Er schwört, dass alles wahr ist, und bittet einen gleichzeitig, ihm kein Wort zu glauben, und das funktioniert bestens.
Ich fand es wirklich komisch. Es liest sich leicht, es liest sich schnell, und es ist genau die Art Buch, mit der man zwischen zwei Wälzern den Kopf freibekommt. Ich kam gerade aus einer Serie ziemlich dichter Romane, und dieser hier war wie eine große Pause auf dem Schulhof, und das ist als Kompliment gemeint.
Zur Einordnung: Philibert Humm, Jahrgang 1991, ist Reporter bei Paris Match und war zuvor im Kulturressort des Figaro. Er schreibt voller Selbstironie, in einem leicht altmodischen Französisch, das wirklich einnehmend ist. Die Sorte Feder, die Wörter und Wendungen ausgräbt, die niemand mehr benutzt, und es schafft, dass sie komisch wirken.
Roman policier ist sein dritter Roman, nach Roman fleuve, dem Bericht über seine Kanufahrt die Seine hinab, der ihm 2022 den prix Interallié einbrachte, und Roman de gare, in dem er wie die amerikanischen Hobos auf Güterzügen reist. Ich habe weder das eine noch das andere gelesen. Aber so gut, wie mir dieses hier gefallen hat, wird das wohl eines Tages noch passieren, es ist einfach eine viel zu schöne Erzählung.
Und falls Sie mal durch Pau kommen: Schauen Sie zu den Ladenschildern hinauf. Nach letztem Stand ist der U-Dieb noch immer auf freiem Fuß.
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Von Paingout



